Die richtige Lüftungstechnik
Frische Raumluft schützt Ihr Gebäude vor Feuchtigkeitsschäden und hat gleichzeitig positive Auswirkungen auf die Gesundheit aller Bewohner. Da Gebäudehüllen durch hohe Effizienzstandards immer dichter werden, gestaltet sich eine wirkungsvolle Durchlüftung allerdings immer schwieriger, da gut gedämmte Häuser einen ausreichenden Luftwechsel durch Fugen und Ritzen nicht mehr zulassen. Dadurch kann sich Feuchtigkeit leichter sammeln und langfristig Schäden an der Bausubstanz verursachen. Um diese Schäden zu vermeiden, ist eine regelmäßige Durchlüftung wichtig.
Durch die hohe Dichtheit der Gebäude raten Raumhygieneexperten dazu, alle zwei Stunden zum Stoßlüften – auch nachts. Da dies im normalen Alltag nicht umsetzbar ist, suchen viele Immobilienbesitzer nach besseren Möglichkeiten, Ihre Gebäude automatisiert zu belüften. In den letzten 20 Jahren sind kontrollierte Lüftungsanlagen deshalb immer wichtiger geworden. Auf dem Markt gibt es dabei unterschiedlichste Lüftungstechnik, die eine effektive Belüftung realisieren können. In ihren Leistungsdaten unterscheiden sich viele dieser Produkte allerdings gravierend voneinander. Daher erklären wir hier, auf welche Daten Sie sich verlassen können und welche Lüftungstechnik zur Ihrer Wohnsituation passen könnte.
Themenübersicht
Lüftungstechnik im Überblick
Welche Möglichkeiten zur Raumlüftung gibt es?
Auf dem Markt gibt es unterschiedlichste Produkte, welche sich nicht alle auf den ersten Blick
voneinander unterscheiden lassen.
Wir stellen Ihnen kurz die vier etabliertesten Lüftungsarten vor.
Dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Eine dezentrale Lüftungsanlage setzt sich aus mehreren einzelnen Lüftungsgeräten zusammen. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus werden für eine gute Belüftung meist 6 bis 8 dezentrale Geräte benötigt. Diese werden direkt in die Außenwände eines Gebäudes eingebaut und befördern frische Luft in die Wohnräume sowie verbrauchte Luft nach außen. Dezentrale Anlagen werden dabei in den meisten Fällen paarweise verbaut.

Dadurch kann dafür gesorgt werden, dass eine Querlüftung zwischen unterschiedlichen Räumen entsteht und die Luft im Gebäude zirkulieren kann. So kann eine effektive Be- und Entlüftung eines gesamten Hauses gewährleistet werden. Mithilfe eines Wärmespeichers können auch diese Anlagen bis zu 94 % der Wärmeenergie zurückgewinnen. Im Gegensatz zu zentralen Anlagen sind dezentrale Lüftungen in allen Gebäudesituationen einsetzbar.
Dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung – Stärken & Schwächen zusammengefasst:
✅ kann effektiven Feuchteschutz gewährleisten
✅ automatische Be- und Entlüftung des gesamten Gebäudes
✅ Wärmerückgewinnung spart Heizenergie ein
✅ Montage in Alt- und Neubau möglich
❌ mittlere Kosten
❌ mehrere Bohrungen in Außenwand nötig
Mehr zur Funktionsweise sowie zum Aufbau dezentraler Lüftungsanlagen finden Sie in unserem Ratgeber.
Abluftanlagen ohne Wärmerückgewinnung
Um Feuchtigkeit, die beim Kochen oder im Badezimmer entsteht, schnell und effektiv abzuführen, können Abluftanlagen in einem Gebäude verbaut werden. Diese Anlagen können dezentral oder zentral installiert werden und bieten die Möglichkeit, hohe Feuchtigkeitsbelastungen und Gerüche in der Luft schnell abzusaugen. Um die abgesaugte Luft wieder auszugleichen, wird über Außenwand- Durchlässe oder mithilfe einer einfachen Fensteröffnung frische Zuluft wieder dem Raum zugeführt.

Abluftanlagen werden beispielsweise häufig in Großküchen verbaut, um schnell Feuchtigkeit und Gerüche abzuführen. In Wohnhäusern ist eine Installation auch möglich, hier wird meist über dezentrale Kleinraumventilatoren in den Feuchteräumen eine Abluft erzeugt. Zusätzlich ist mit höheren Heizkosten zu rechnen, da im Abluftmodus Wärmeenergie verloren geht.
Abluftanlagen ohne Wärmerückgewinnung – Stärken & Schwächen zusammengefasst:
✅ kann dezentral & zentral verbaut werden
✅ hindert Gerüche und Luftfeuchtigkeit daran sich im Haus zu verteilen
✅/❌ Feuchteschutz – aber nur im verbauten Raum
❌ Wärmeenergie geht verloren
❌ kalte Zuluft ist unangenehm für Bewohner
Zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Zentrale Lüftungsanlagen setzen sich grundlegend aus einem großen Lüftungsgerät und einem Kanalsystem im Gebäude zusammen. Die Lüftungskanäle verlaufen vom Lüfter aus in die Räume eines Gebäudes. Dabei werden die einzelnen Zimmer in Zu- und Ablufträume unterteilt. Zentralanlagen ermöglichen somit, dass Zimmer, in denen viele Gerüche und Luftfeuchtigkeit entsteht entlüftet werden. Gleichzeitig werden die Zulufträume automatisch mit frischer Zuluft versorgt. Dadurch entsteht innerhalb des Gebäudes eine Querlüftung, da die Abluft immer über die Feuchteräume abgeführt wird, während Frischluft über die Zulufträume nachströmen kann. Zusätzlich verfügt eine zentrale Lüftungsanlage über einen Wärmetauscher. Dieser sorgt dafür, dass die Abluft- und Zuluftströme sich kreuzen. Dadurch wird die Wärme der alten Raumluft an die frische Zuluft abgegeben. So können bis zu 94 % der Wärmeenergie rückgewonnen werden.

Geeignet sind zentrale Lüftungsanlagen besonders für Neubauten. Hier können bereits in der
Rohbauphase die Lüftungskanäle in den Boden oder in die Decke integriert werden. In
Bestandsgebäuden dagegen erfordern Zentralanlagen einen erhöhten Bauaufwand, um das
Kanalsystem unauffällig zu verlegen. Alternativ kann hier allerdings zu dezentralen Lüftungsanlagen
gegriffen werden.
Zentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung – Stärken & Schwächen zusammengefasst:
✅ kann effektiven Feuchteschutz gewährleisten
✅ automatische Be- und Entlüftung des Gebäudes
✅ Wärmerückgewinnung spart Heizenergie ein
❌ Montage meist nur in Neubauten sinnvoll
❌ komplexes Kanalystem
❌ erhöhte Einbau- und Anschaffungskosten
Mehr zur Funktionsweise sowie zum Aufbau zentraler Lüftungsanlagen finden Sie in unserem Ratgeber.
Fensterfalzlüftung

Fensterfalzlüftungen stellen die einfachste Möglichkeit dar, frische Luft in Ihr Gebäude zu leiten. Dafür werden die Fensterrahmen eines Gebäudes an einigen Stellen mithilfe einer Vorrichtung bewusst undicht gemacht. Damit die Luftzirkulation in Ihrem Gebäude gefördert werden kann, werden Fensterfalzlüftungen immer in mindestens zwei Fenstern eingebaut. Die einströmende Luft gelangt über die Öffnungsschlitze ohne mechanische Unterstützung in die Wohnräume, wodurch sich der Luftdruck minimal ändert und eine Querlüftung möglich wird. Hierbei kann der Luftstrom allerdings nicht reguliert werden und ist von den äußeren Windbedingungen abhängig. Deshalb handelt es sich bei der Fensterfalzlüftung um eine sogenannte unkontrollierte Wohnraumlüftung.
Durch die einfache Funktionsweise können Fensterfalzlüftungen in so gut wie jedem Gebäude
installiert werden. Die dadurch entstehende Luftzirkulation ist bei gedämmten Gebäuden allerdings
selten ausreichend, um Feuchteschäden ausschließen zu können. Außerdem geht besonders in
Heizperioden eine Menge Wärmeenergie verloren, da die Lüftung nicht verschlossen werden kann.
Fensterfalzlüftung - Stärken & Schwächen zusammengefasst:
✅ günstige Anschaffung
✅ für jedes Gebäude geeignet
❌ regelmäßiges Stoßlüften weiterhin notwendig
❌ keine zuverlässige Lüftungslösung gegen Schimmel & Feuchteschäden
❌ Luftstrom kann nicht kontrolliert werden
❌ Wärmeenergie geht verloren, da Fensterfalz nicht verschlossen werden kann
Wie finde ich die richtige Lüftungstechnik für mich?

Wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, sind die verschiedenen Lüftungsarten nicht für jede Bausituation geeignet. Auch wenn bis auf die Fensterfalzlüftung alle Lüftungsarten einen effektiven Schutz gegen Schimmel bieten können, passt nicht jedes dieser Lüftungssysteme zu den Rahmenbedingungen Ihres Gebäudes. Deshalb ist es wichtig sich vor einer Kaufentscheidung sorgfältig und herstellerunabhängig über Vor- und Nachteile der Systeme zu informieren. Um den passenden Lüfter für Ihre Situation zu finden, bietet Ihnen Luftbude ein umfangreiches Informationsangebot an. Unsere Lüftungsexperten können auf mehr als 20 Jahren Erfahrung im Bereich der Lüftungstechnik zurückgreifen. Auf Basis dieses Wissens wollen wir Sie bestmöglich bei Ihrer Lüftungsplanung unterstützen.

Um den passenden Lüfter für Sie zu finden, können Sie sich im Vorfeld einen Überblick verschaffen und verschiedene Lösungen bzw. Modelle miteinander vergleichen. So können Sie entweder schon selbst eine Entscheidung treffen oder in einer späteren Beratung gezielte Fragen stellen. Da der Lüftungsmarkt groß und teilweise sehr undurchsichtig ist, ist es ratsam, wenn Sie zunächst eine Liste mit Eigenschaften und Kennwerten aufstellen, die Ihre Lüftungstechnik erfüllen soll. Häufig erschweren unterschiedliche Angaben der Hersteller eine direkte Gegenüberstellung der Produkte. Deshalb stellen wir Ihnen die wichtigsten Schritte vor, mit denen Sie die passende Lüftungsanlage für sich finden können.

Checkliste zum Vorgehen:
Dieser Ratgeber beschäftigt sich ausführlich mit den Leistungsdaten, welche für eine zuverlässige Wohnraumlüftung relevant sind. In den Artikeln „So finden Sie den passenden dezentralen Lüfter“ und „Die richtige zentrale Lüftungsanlage finden“ vergleichen wir verschiedene marktführende Produkte der jeweiligen Lüftungsart miteinander, sodass Sie hier ein passendes Modell für sich finden können.

Die wichtigsten Leistungsdaten von Lüftungstechnik
Eigenschall – Wie finde ich einen leisen Lüfter?
Der Eigenschall (oder Schalldruckpegel) beschreibt das Geräuschbild, welches von einer Lüftungsanlage selbst ausgeht. Hierbei sind die Ventilatoren die Hauptverursacher von Geräuschen. Bei einer dezentralen Lüftung verteilen sich die einzelnen Lüftungsgeräte im gesamten Wohnraum. Dadurch ist der Eigenschall bei diesen Geräten präsenter und ein wichtiges Kaufkriterium für viele Kunden.
Gerade wenn Sie geräuschempfindlicher sind oder im Schlafzimmer Stille zum Einschlafen benötigen, sollten Sie auf einen geringen Eigenschall Ihrer Lüftungstechnik achten. In der Regel bewegt sich die Lautstärke einer dezentralen Lüftungsanlage zwischen 10 und 35 dB(A). Wir empfehlen Ihnen hier einen maximalen Schalldruckpegel von 20 dB(A) auf einer mittleren, sowie 30dB(A) auf der höchsten Leistungsstufe. Achten Sie dabei auch darauf, von wo der Eigenschall gemessen wurde. Wir empfehlen Ihnen die Schallwerte bei einer Messdistanz von 1m Entfernung.
Je nach Lüfterstufe unterscheidet sich dieser Wert maßgeblich. Außerdem können Sie bei dezentralen Anlagen auf das Umschaltverhalten des Ventilators achten, da der Ventilator bei der Änderung der Lüftungsrichtung seine Drehrichtung ändern muss. Bei einigen Produkten stoppt der Motor hier plötzlich ab und wird dann neu hochgefahren, was zu einer unnötigen Geräuschkulisse führen kann. Optimal sind daher Geräte, welche allmählich den Motor abbremsen und nicht ruckartig den Richtungswechsel vornehmen. Bei zentralen Lüftungsanlagen spielt der Eigenschall dagegen eine untergeordnete Rolle. Da sich die große Anlage fast immer außerhalb des Wohnbereichs befindet, stört der Eigenschall des Gerätes die Bewohner in der Regel nicht. Achten Sie hier nur darauf, dass das Gerät entsprechend isoliert ist, sodass die Bausubstanz den Eigenschall nicht in die Wohnräume weiterleitet. Dies kann entweder durch das Gerät selbst bereits berücksichtigt worden sein oder durch gedämmte Räume, in denen das Gerät aufgestellt wird. Auch eine schalldämmender Untergrund (Schallmatte) kann die Weitergabe des Eigenschalls über den Boden abmindern.

Leistungskennziffer Eigenschall
- Maßeinheit: dB(A)
- Lautstärke der Anlage im Betrieb
- besonders für dezentrale Lüftungsanlagen relevant
- Bei dezentralen Anlagen besonders darauf achten: Umschaltverhalten des Ventilators ; Messdistanz möglichst bei 1m Entfernung
- Orientierungswert: 35 dB(A) maximal in der höchsten Leistungsstufe
Schauen Sie in die ausgewiesenen technischen Werte Ihrer Lüftungsanlage und achten Sie auf die Einheit dB(A), um den Eigenschall zu erkennen. Häufig bezeichnen Hersteller diese Leistungskennzahl unterschiedlich, die Maßeinheit dB(A) bleibt jedoch immer gleich.

Normalschallpegeldifferenz – Wie kann ich mich vor Außenlärm schützen?
Die Normalschallpegeldifferenz gibt an, wie stark der Außenschall durch das Lüftungssystem reduziert wird. Besonders relevant ist diese Leistungskennziffer für dezentrale Lüftungsanlagen, da hier durch die Hauswand eine direkte Verbindung zwischen Außenwelt und dem Wohnraum hergestellt wird. Um den Schall, der von außen in das Rauminnere dringt, möglichst gering zu halten, kann bei der Kaufentscheidung auf zwei Punkte geachtet werden: Zum einen ist eine gute Außenhaube zu empfehlen, welche einen großen Teil des Außenlärms bereits abschotten kann. Zum anderen werden in dezentralen Lüftungsanlagen häufig bestimmte Dämmmaterialien verbaut, welche den Schall absorbieren.

Die Schalldämmleistung liegt bei verschiedenen Lüftungsanlagen in etwa zwischen 30 und 50 dB. Dies beschreibt den Schall, der durchschnittlich von einer dezentralen Lüftungsanlage abgefangen werden kann. Achten Sie daher auf eine möglichst hohe Normschallpegeldifferenz.
Leistungskennziffer Normalschallpegeldifferenz
- Maßeinheit: dB
- Schalldämmung des Außenschalls, welcher durch das System in den Innenraum gelangt
- besonders für dezentrale Lüftungsanlagen relevant
- Schalldämpfer werden bei beiden Lüftungsarten empfohlen
- Außenhaube, Dämmmaterialen im Lüfter & Verbauart haben Einfluss darauf
Bei dezentraler Lüftungstechnik empfehlen wir einen Rohrdurchmesser von 160 mm, damit die Wandöffnung möglichst gering ausfällt. Außerdem empfehlen wir Ihnen den Einsatz von sogenannten Schallprotektoren, die als Schallkulisse ins Lüftungsrohr eingesetzt werden können und den Außenschall um weitere 3-5 dB abmindern können.
Zu- und Abluftvolumen – Wie finde ich einen leistungsstarken Lüfter?

Eine der wichtigsten Kennziffern für Lüftungsanlagen ist das Fördervolumen. Dies gibt die Menge an Luftvolumen an, die das Gerät in einer bestimmten Zeit transportieren kann. Dies ist entscheidend, um eine ausreichende Frischluftzufuhr sowie Abluft zu garantieren, um das Lüftungskonzept effektiv umsetzen zu können. Der Luftvolumenstrom wird in m³/h angegeben. Da Zentralanlagen das gesamte Gebäude mit Frischluft versorgen, müssen diese Geräte eine größere Leistung erbringen als einzelne dezentrale Geräte und an die Größe des Hauses entsprechend angepasst werden. Dafür sind Geräte mit eine Luftstromvolumen von mindestens 150 m³/h für kleine Häuser bin hin zu mehreren Tausend m³/h für Industriehallen auf dem Markt erhältlich.

Richtwerte zum Mindestluftwechsel nach DIN 1946-6 (Nennlüftung)
- 60m² Wohnfläche (150m³) ➞ Mindestluftwechsel ab 85 m³/h
- 90m² Wohnfläche (225m³) ➞ Mindestluftwechsel ab 115 m³/h
- 120m² Wohnfläche (300m³) ➞ Mindestluftwechsel ab 143 m³/h
- 150m² Wohnfläche (375m³) ➞ Mindestluftwechsel ab 170 m³/h
- 180m² Wohnfläche (450m³) ➞ Mindestluftwechsel ab 195 m³/h
- 210m² Wohnfläche (525m³) ➞ Mindestluftwechsel ab 217 m³/h
Zur Erreichung des Mindestluftwechsels empfehlen wir Ihnen:
- zentrale Lüftungstechnik mit einem Fördervolumen von mindestens 30% über dem Mindestluftwechsel.
- dezentrale Lüftungstechnik, deren Einzelgeräte ein zusammengerechnetes reversierendes Fördervolumen von mindestens 30% über dem Mindestluftwechsel haben.
Bei den Richtwerten handelt es sich nur um Orientierungswerte, da der Mindestluftwechsel immer auch von der Gebäudedichtheit (natürlichen Infiltration) abhängt.

Dezentrale Lüftungsgeräte haben einen Volumenstrom von etwa 45 m³/h – 60 m³/h (reversierendes Fördervolumen 20 m³/h – 30 m³/h). Daher muss das Fördervolumen aller dezentralen Lüftungsgeräte zusammengerechnet werden, um die tatsächliche Anzahl an benötigten Geräten zur Erreichung des Mindestluftwechsels bestimmen zu können. Achten Sie bei der Planung auch hier darauf, dass Sie das reversierende Fördervolumen als Grundlage verwenden.
Leistungskennziffer Fördervolumen
- Maßeinheit: m³/h
- Menge an Luft die von Lüftungsanlage gefördert wird
- Auswahl entsprechend der Raum- und Gebäudegröße treffen (Mindestluftwechsel)
- Bewertungsgrundlage immer das reversierende Fördervolumen
Wärmerückgewinnung – Wie finde ich energieeffiziente Lüftungstechnik?

Je nach Lüftungsgerät kann die Wärmeenergie auf unterschiedliche Arten zurückgewonnen werden. Dezentrale Lüftungsanlagen verfügen meist über einen Keramik-Wärmespeicher, der mit dem Prinzip der regenerativen Wärmerückgewinnung arbeitet. Bedeutet, dass Wärmeenergie im Abluftmodus dort zwischengespeichert und anschließend im Zuluftmodus an die Raumluft zurückgegeben wird.

Zentrale Lüftungsgeräte arbeiten dagegen mit Wärmetauschern. Hierbei handelt es sich um das Prinzip der rekuperativen Wärmerückgewinnung. Dafür werden die Zu- und Abluftströme in dem Lüftungsgerät miteinander gekreuzt. Dadurch wird die Wärmeenergie auf die Zuluft übertragen und kann zurückgeführt werden. Mit beiden Methoden lassen sich bis zu 94 % der Wärme zurückgewinnen.

Leistungskennziffer Wärmerückgewinnung
- Maßeinheit: %
- wieviel Wärmeenergie der Raumwärme wird zurückgewonnen
- Geräte mit einer maximalen Wärmerückgewinnung ab 90 % sind besonders energieeffizient.
Angaben von Lüftungstechnik Herstellern richtig beurteilen
Im alltäglichen Gebrauch laufen Lüftungsanlagen meistens auf mittleren Einstellungsstufen, sodass nach oben und unten hin genügend Spielraum zum Reagieren übrig bleibt. Da Hersteller allerdings in den Produktblättern häufig Maximal- oder Minimalwerte angeben, sind diese Aussagen für Verbraucher aus Praxissicht nicht repräsentativ.

So kann der Eigenschall einer Anlage sehr gering ausfallen, wenn eine niedrige Lüftungsstufe eingestellt ist – oder auch höher, sobald eine hohe Lüftungsstufe angesteuert wird. Läuft die Anlage nun im Alltag auf mittlerer Leistung, können die Schallwerte deutlich von den Herstellerdaten abweichen. Ein Minimalwert hat hier wenig Aussagekraft. Selbst bei der Angabe eines gewissen Schallbereichs (Bsp: zwischen 20dB(A) – 30 dB(A)) ist unklar, wie laut die Eigengeräusche auf mittlerer Leistungsstufe tatsächlich sind.
So sind auch die Lüftungsventilatoren unterschiedlich
konzipiert. Es gibt Ventilatoren, deren Eigenschall linear zur Lüftungsstufe verlaufen – je höher die
Lüftungsintensität, desto höher auch der Eigenschall. Andererseits gibt es auch Lüftungsventilatoren,
die eine exponentielle Schallentwicklung aufweisen. Hier kann beispielsweise ein Schallbereich von
11 dB(A) – 30 dB(A) ausgewiesen werden, jedoch kann der Eigenschall auf der zweitniedrigsten
Lüftungseinstellung bereits bei 25 dB(A) liegen. Auch sagt der Eigenschall nichts über das
Umschaltverhalten des Ventilators aus (ruckartig oder sanft), sodass diese wichtige Kenngröße gar
nicht in den technischen Werten vorkommt.
Informieren Sie sich daher gern über neutrale Fachquellen und zentralen Prüfstellen darüber, welche Erfahrungswerte sowie welche konkrete Kundenzufriedenheit bei der ausgewählten Lüftungstechnik bekannt ist.
Kennziffern wie die Wärmerückgewinnung, Lüftungsleistung und Lautstärke stehen in Abhängigkeit zueinander. So können beispielsweise auch die Maximalwerte der Wärmerückgewinnung nur auf den niedrigsten Lüftungsstufen erreicht werden. Der Wärmetauscher benötigt einen niedrigen Luftvolumenstrom, damit die Wärme entsprechend übertragen werden kann. Je höher das Fördervolumen eingestellt ist, desto geringer fällt die Wärmerückgewinnung aus.
Wichtig ist hierbei zu beachten:
- Hohes Fördervolumen verursacht einen hohen Eigenschall sowie eine niedrige Wärmerückgewinnung
- Hohe Wärmerückgewinnung erzeugt ein niedriges Fördervolumen und einen niedrigen Eigenschall
- Niedriger Eigenschall erzeugt eine hohe Wärmerückgewinnung und ein niedriges Fördervolumen
Dieses Zusammenspiel der wichtigsten Lüftungskriterien sollte beim Kauf einer Lüftungsanlage unbedingt beachtet werden. Häufig werden durch diese Maximal- und Minimalwerte falsche Tatsachen suggeriert. Wie die Lüftungskriterien tatsächlich in der Praxis ausfallen, liegt vor allem an der eingestellten Lüftungsstufe (Bedienung) sowie an der umgesetzten Lüftungsplanung. Deshalb ist es hilfreich, sich von der Planung bis zum Umsetzung Ihrer Lüftungstechnik von einem neutralen Lüftungsexperten beraten zu lassen.
Vergleichen Sie nicht Äpfel mit Birnen: Neben der Leistung einer Lüftungsanlage gibt es noch weitere Faktoren, welche Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen sollten. Dabei ist zu berücksichtigen, welche Funktionsvielfalt die Lüftungstechnik standardmäßig mitbringt oder welche Zubehörteile der Hersteller zum Systemupgrade bereitstellt. Bei einmal verbauter Lüftungstechnik sollte daher auch wichtig sein, welche Gewährleistungsprozesse sowie Aufrüstmöglichkeiten bestehen.
- Integrierte Sensorik Ist ein Lüftungssensor im Gerät integriert oder muss er separat dazu bestellt werden?
- Steuerung Ist die Steuerung direkt im Gerät integriert oder müssen zusätzliche Steuergeräte mit erworben werden?
- Filterauswahl Gibt es genügend Auswahl an unterschiedlichen Filtern für das spezielle Lüftungsmodell (Pollenfilter, Feinstaubfilter, Aktivkohlefilter)? Wie stark ist die Filterleistung der eingesetzten Filter überhaupt (Bsp: Staubfilter G3 oder Pollenfilter F7)
- Smart Home Ist das System mit anderer Gebäudetechnik kompatibel? Welche Schnittstellen stehen bereit?
- Herstellererfahrung Kann der Hersteller auf mindestens 20 Jahre Markterfahrung verweisen? Bestehen kundenfreundliche Austausch- und Reklamationsprozesse?
- Beratung Bietet ihr Händler oder Hersteller umfassende Beratung auch nach dem Kauf an?
- Erfahrungswerte Wie weit verbreitet sind die Lüftungsanlagen? Welche Kundenrezensionen bestehen? Wie fällt das Urteil von neutralen Lüftungsexperten aus?


Fazit zur Wahl Ihrer Lüftungstechnik
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Mein Name ist Günther Wolf, ein profundierter Experte für die Grundlagen der Lüftungstechnik, der seit 2019 mit der Luftbude GmbH zusammenarbeitet. Meine Expertise erstreckt sich über sämtliche technische und physikalische Komponenten der Wohnraumlüftung und befähigt mich zur Entwicklung individualisierter Lösungen.
Quellennachweis
Für diesen Artikel wurden Erfahrungswerte mehrerer Lüftungsexperten, Bausachverständiger, Handwerker sowie Hersteller aufgearbeitet und zusammengefasst. Als Grundlage dienen hierfür aktuelle Normen, Gutachten sowie neutrale Prüfprotokolle unabhängiger Messdienstleister.
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